Pia Schlattmann von der LG Brillux hat ein Jahr hingelegt, das man fast schon „Traumjahr“ nennen könnte: Deutsche Meisterin, internationale Medaillen und jede Menge Trainingskilometer. Wir haben mit ihr über Wettkämpfe, Studium, Motivation und das Leben zwischen Uni, Pferd und lockeren Läufen mit Papa gesprochen.

Pia, was geht dir durch den Kopf, wenn du an der Startlinie stehst?

Pia: Früher war ich total nervös – richtig Angst hatte ich vielleicht auch ein bisschen. Jetzt ist es eher: Ich weiß, was ich machen muss, vertraue auf mein Training und schalte den Kopf aus. Teilweise erinnere ich mich hinterher gar nicht mehr an bestimmte Stellen der Strecke. Ich laufe einfach.

Und während des Rennens – bist du an der Grenze?

Pia: Oh ja! Vor allem bei der EM lag ich danach einfach auf dem Boden – komplett fertig. Aber gleichzeitig fühlt sich das wie eine Befreiung an. Der ganze Druck, den man sich selbst macht, fällt ab, und man kann die Leistung genießen.

Wie regenerierst du danach?

Pia: Erst mal locker auslaufen, das ist super wichtig. Davor esse ich meistens einen Riegel, danach Kohlenhydrate und Proteine, um die Speicher wieder aufzufüllen.

Studium und Leistungssport – wie passt das zusammen?

Pia: Flexibilität ist alles. Viele Vorlesungen kann ich online verfolgen, Seminare sind teilweise extra für mich digital, Klausuren kann ich verschieben. Für diese Möglichkeit bin ich der Uni sehr dankbar… Klar, Schlaf ist manchmal knapp – aber es geht und ist mir wichtig! Beides (Laufen und Uni) zusammen hält mich auch mental fit.

Gab es einen Moment, wo du wusstest: „Jetzt will ich professionell laufen“?

Pia: Ich habe früher immer alleine trainiert, aber später dann im Stützpunkt mit Gleichaltrigen hat es richtig Spaß gemacht. Die ersten Westfalen-Meisterschaften, dann Deutsche – da habe ich gemerkt, dass ich vielleicht besser bin als gedacht und gleichzeitig richtig Bock habe, weiterzumachen. Der Wechsel zu Robert Welp und zur LG, hat diesen Schritt zum Leistungssport auch nochmal intensiviert.

Was machst du, wenn du mal nicht trainierst?

Pia: Ich reite total gerne – mein Pferd *Bibi* ist mein Ausgleich. Außerdem laufe ich ab und zu mit meinem Papa eine lockere Runde. Einfach locker, ohne Druck – das tut richtig gut.

Hast du Rituale oder Glücksbringer bei Wettkämpfen?

Pia: Ja, ein kleines rosafarbenes Glücksschweinchen, dass ich von meiner Trainingsgruppe als Schlüsselanhänger bekommen habe begleitet mich meistens. Und der „Viel Glück“ -Schlumpf von meiner Familie ist auch immer dabei.

Wer ist dein Vorbild?

Pia:  Ich finde Nadia Battocletti aus Italien total spannend. Sie ist auf Mittel‑ und Langstrecken unterwegs, sehr stark im Cross und zeigt, wie man auf hohem Niveau international konstant abliefert. Ich finde sie sympathisch und inspirierend.

Welche Medaille war für dich wichtiger – national oder international?

Pia: Beide sind besonders. Die nationale ist meine erste Einzel-Goldmedaille Die deutsche Meisterschaft ist etwas Einmaliges, aber international eine Medaille zu holen ist einfach nicht selbstverständlich. Ich bin stolz, dass ich das ganze Jahr über zu den Höhepunkten fit war – Training, Wettkämpfe, alles.

Was nimmst du mit ins neue Jahr?

Pia:  Konstanz, Geduld und Freude am Sport… Und ein bisschen Chaos – ohne das wäre es ja langweilig!

 

 

Sportliche Highlights 2025

Verein: LG Brillux Münster

Disziplin: Mittel‑, Langstrecke & Cross

2025 – Erfolge und Platzierungen:

🏅 Cross‑EM (U23) – Einzel‑Bronzemedaille (Lagoa, Portugal) und Team‑Silber mit dem DLV‑Team über die U23‑Distanz

🥇 Deutsche Cross‑DM – U23‑Meisterin (Gold) und Bronze in der Frauenwertung

🥈 10 km‑Straßenlauf‑DM – Silber in der U23‑Wertung und Team‑Gold mit dem U23‑Team

🥉 10 000 m Bahn‑DM (U23) – Bronzemedaille

Weitere Leistungen:

  • Platz 5 über 5000 m bei der U23‑EM
  • Platz 5 über 5000 m bei den World University Games

Bestzeiten 2025 (u. a.):

  • 5000 m: 15:40,19 min
  • 10 000 m: 33:05,76 min

 

Foto: Florian Waltz